Where There Is Tea, There Is Hope

Leute wie ich haben’s gut, sie können nämlich über Weihnachten heim fahren und nach den Weihnachtsferien wieder nach Hause fahren. So langsam gewöhnt man sich sogar an das britische Essen*.

Am Freitag** war ich gemeinsam mit einigen Mädels aus meiner Hall dann auch zum ersten Mal in einem der Clubs in Nottingham. Der Abend begann wie gewohnt im Pit & Pendulum, von wo aus wir beschlossen, The House of Coco Tang einen Besuch abzustatten. Die hauseigene Spezialität dort ist die “Mad Hatter’s Tea Party”, ein japanischer Grüntee mit Blumen, der frisch aufgegossen und großzügig mit einigen anderen Dingen (Absinth…) verfeinert serviert wird – und zwar in einer chinesischen Teekanne mit passenden Trinkschüsselchen und unter der Bedingung “only one serving per person per night”.
Danach ging es in Das Lokal, Dessen Name Nicht Genannt Werden Darf und wo man auch noch um zwei Uhr nachts etwas zu essen bekommt – und dann ganz dekadent im Taxi nach Hause. Meine Wenigkeit hält noch immer deutlich mehr von englischen Pubs als von Diskotheken, aber kannmanjamalmachen.

Das neue Semester an und für sich verspricht inhaltlich erfolgreicher zu werden als mein letztes – habe ich mich doch endlich dazu durchgerungen, auch mal Philosophy of Mind zu hören. Hier hege ich noch immer den heimlichen Gedanken, dass es sich bei unserem Dozenten um eine bislang unbekannte Regeneration des Doktors aus Doctor Who: Er ist jung, unglaublich britisch, trägt eine schwarze Brille mit dickem Rand, hat schwarze Haare, um deren Aussehen er sich ganz offensichtlich Gedanken macht, gestikuliert beim Reden wild in der Luft herum und unterbricht sich oft selbst, weil er plötzlich eine neue Idee hat, wie er etwas erklären kann. Bemerkenswerterweise kam mir dieser Gedanke in den Sinn, bevor er angefangen hat, über Aliens im Allgemeinen und Marsbewohner im Speziellen zu reden.

Aus unterirdischen Gefilden habe ich nichts neues zu berichten, und auch andere Club-Mitgliedschaften erweisen sich leider als unspektakulär: Erst gestern habe ich sechs Stunden auf einem RAF***-Flugplatz verbracht — leider auf und nicht über dem Flugplatz, denn es herrschte zu schlechtes Wetter, und dabei hatte es in den ersten Stunden vor Ort noch nicht einmal ansatzweise geregnet und danach auch nur ganz kurz. Aber die Sichtweitenähe… Man wollte auch nicht gleich wieder zurückfahren, also saß man in einem Bus auf dem Feld herum und trank Tee, denn where there is tea, there is hope und es bestand Hoffnung, dass das Wetter sich mal bessern würde. Ä-ä. Sämtliche (auch militärische) Wetterberichte stellten sich leider als ziemlich optimistisch heraus. Laut Aussage der Anwesenden kommt das ziemlich oft vor, was im Nachhinein wenig überraschend ist. (Erklärungen dafür, wieso Caving in England beliebter ist als in Deutschland und das bei Dingen, die so wetterabhängig sind wie Segelfliegen, andersherum ist, möge sich jeder selbst einfallen lassen.)

Dafür schert sich die Rambling and Hillwalking Society nicht um schlechtes Wetter (ansonsten müsste sie vermutlich auch an zwei von drei Sonntagen ihren Bus stornieren), sondern verlangt von Mitwanderern wasserdichte Kleidung (keine Jeans, Menschen in Jeans werden erwürgt, gelyncht, den Drachen zum Fraß vorgeworfen, und/oder dürfen nur den leichtesten Walk mitlaufen) und festes Schuhwerk. Bei der 15km-Wanderung durch den Regen im Peak District vor acht Tagen hat die Autorin dieser Zeilen den Hintergrund des Regelwerks empirisch bewiesen nicht widerlegt, da sie feststellen musste, dass ihre Jacke nicht halb so wasserdicht ist wie sie gedacht hatte. Fotos von dieser Wanderung sind leider nicht spektakulärer als ein Ausflug zum Unterbacher See in Düsseldorf an einem Regentag, sie enthalten bloß mehr Schafe.

Zum Abschluss dieses Eintrags möchte ich mich für die Abwesenheit von weiteren Bildern entschuldigen (mein Kartenlesegerät befindet sich im Moment, nun, … vermutlich befindet es sich irgendwo).
Die Webcomic-Fans unter euch, die Amazing Superpowers noch nicht kennen, mögen sich hierdurch vertröstet fühlen. (Netterweise sei an dieser Stelle auch erwähnt, dass zu jedem Comic ein Secret Panel existiert. Amazing Superpowers ohne sie zu lesen ist wie xkcd ohne alt-Text.)


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* Gerüchten zufolge hat ein Bewohner einer der Halls of Residence ein Blog eröffnet, das den Titel “Potatoes of the Day” trägt — mit selbsterklärendem Inhalt.
** Gemeint ist Freitag, der 19. Februar. Dieses Posting musste eine zeitlang unveröffentlicht und unfertig in den Untiefen des WordPress-Entwürfe-Ordners verharren und wird somit erst heute (10. März 2011) rückdatiert ins Netz gesetzt.
*** Für diejenigen Leser, die überrascht sind, wie organisiert der Terrorismus in England zu sein scheint: RAF steht für Royal Air Force.

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