Obwohl ich die allerletzte Person auf der Warteliste bin und mir gesagt wurde, es wäre sehr, sehr unwahrscheinlich, noch einen Platz zu bekommen, landete am Freitagmorgen eine E-Mail in meinem Postfach, die verkündete, es sei kurzfristig ein Platz für den Caving-Trip in die Mendips freigeworden. Juhu! Nach dem erfolgreich bestandenen Parcours durch die Universitätsbürokratie ging es am Freitag um 18.30 Uhr am Portland Building los. Was in meinem Fall bedeutete, auf das Abendessen verzichten zu müssen, sofern ich auch am Sonntag noch saubere Socken haben wollte.
Die Reisegruppe war ziemlich bunt durchmischt (mit Biologie und Geographie als verbreitetsten Studienfächern) und bestand aus siebzehn Leuten, davon sieben “Freshers” (inklusive der Eigentlich-nicht-mehr-Freshers-aber-neu-in-der-Caving-Society-Leute).
Nachdem jeder seine Ausrüstung (Wet Socks, Gummistiefel, Fleece-Ganzkörperanzug (“Furry”), Wet Suit, Gürtel, Helm und Kopflampe) zusammengepackt hatte, stiegen wir in den Minibus und kamen zweieinhalb Stunden später in einem 24-Stunden-Supermarkt in Bristol an, wo wir uns mit Cider Sandwiches und Knabberzeug für Freitagabend eindeckten. (Das Getränkeregal war lang, sehr lang, und enthielt vieles, was mir überhaupt nichts sagte, zum Beispiel etliche Sorten Ale und diverse Biere mit ungewöhnlichen, zum Teil auch recht unanständigen Namen.)
Am Ausgang stand ich beim Anblick der Kassenautomaten dann erst mal verwirrt da. Mit Hilfe einer anderen NU-Caverin scannte ich die Barcodes der Gegenstände und erfuhr, dass ich vier Pfund zu zahlen hatte. “Das kann doch nicht fehlerloser funktionieren als gewöhnliche Kassen”, dachte ich und steckte ein Zwei-Pfund-Stück und zwei Ein-Pfund-Stücke in den Automaten, der daraufhin anzeigte, dass ich noch zwei Pfund zu zahlen hätte.
Eine Verkäuferin wurde geholt, deren Chefin wurde geholt und mir wurde beim Herauslösen meines ersten britischen kassenautomateneingekauften Ciders Einkaufs geholfen.
Die Endstation war unsere Caving-Hütte in den Mendips. Die Hütte hat einen Trockenraum, (um nach einem Caving-Tag Furries und Wet Socks zum Trocknen aufzuhängen) und eine Seilwaschanlage. Als ich das Haus betrat, war ich ganz schön baff im Anblick der Schilder (deren Berechtigung, an anderen Orten abwesend zu sein, ich hiermit selbstverständlich keinesfalls anzuzweifeln wage. Es war sogar ein deutsches “Haltet unsere Höhlen sauber!”-Schild dabei!) an den Wänden im Gemeinschaftsraum. Über der Tür zu selbigem befindet sich eine in Stein gemeißelte Fledermaus, welche Wasser auf die Person vor der Tür speit pinkelt, sobald jemand auf den “Press to Exit”-Button neben der Tür drückt. Der Schlafsaal besteht aus einem zweistöckigen Hochbett, dessen Breite den Raum ausfüllt und das mit Matratzen gepflastert ist.
Der restliche Freitagabend enthielt viel Cider und eine gehörige Portion Kreativität, die auf unschuldige Baked-Beans-Dosen und einen ahnungslosen Besen angewandt wurde.
(Nach einigen Fehlversuchen schafften wir es dann auch, eine Choreografie zu rekonstruieren, während der man einen Besen fest in zwei Händen hält und in bestimmter Weise drumherum klettert, um wieder in eine topologisch äquivalente Ausgangsposition zurückzukommen.)
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