By Alex, on October 21st, 2010
Seit die Verfasserin dieses Eintrags neulich bei Waterstone’s eine halbe Stunde damit verbracht hat, an den dortigen E-Book-Readern herumzuspielen, ist sie über die Möglichkeiten mit einem solchen Gerät ganz aus dem Häuschen. Das Amazon Kindle kann man von Deutschland aus nur aus den USA beziehen, die britische Seite hingegen bietet das Gerät landsintern zum Kauf an.
Und siehe da: Die Werbespots auf amazon.com und amazon.co.uk sind in Bild und Wortlaut identisch – allerdings gibt’s die gleiche Werbung einmal in amerikanischem und einmal in britischem Englisch! Enjoy.
(Selbst dem unaufmerksamen Zuhörer fällt nach einigen Wochen auf der Insel die Rhotizität der anderen Seite des Ozeans unverkennbar ins Auge Ohr. Wir, die wir in Deutschland zur Schule gegangen sind, müssen uns dennoch wenig Sorgen machen, vielleicht das falsche Englisch gelernt zu haben: das “r” ist schließlich ja auch gar nicht unser Sorgenkind.)
By Alex, on October 19th, 2010
By Alex, on October 17th, 2010
[Dramatischer Trommelwirbel]
Dies ist der erste Echtzeiteintrag, denn die bisherigen Blogposts existierten schon etwas länger als das Blog, welches es seit heute gibt. Herzlich Willkommen auf Between Maths and Madness, meinem nigelnagelneuen Weblog, welches zum Zwecke meines Auslandsjahres in …
[laute Fanfaren]
… Nottingham eingerichtet wurde und dessen ferne Zukunft …
[leises Gräserrauschen mit Werwolfsgeheul im Hintergrund]
… ungewiss ist. In naher Zukunft hingegen geht es mit kürzeren Einträgen und mit um einiges mehr Fotos weiter. Viel Spaß beim Lesen!
By Alex, on October 10th, 2010
Der dritte Tag beginnt damit, dass wir allesamt erst aufwachen, als wir eigentlich schon los wollten (um 10). Wir ziehen uns schon in der Hütte um, da sich die Höhlen in Laufweite befinden, und finden nach einigem Drüberklettern über Feldzäune sogar den Eingang zur Swildon’s Hole.
Der Abwärtsweg ist steil und enthält unter anderem eine fast vertikale, ungefähr drei Meter hohe Stufe (Wie zur Hölle soll ich da runter?!), die man herunter muss und an deren unterem Ende sich ein Loch befindet (das heißt, man muss erst mal an den Wänden entlang und dann “abbiegen”).
Wir gelangen in einen Teil, durch den gewöhnlich ein hüfthoher Strom fließt, in dem momentan aber nur einige (wenn auch ziemlich tiefe) Pfützen sind (und in dem man, wenn man ich ist, natürlich nichtsdestotrotz nasse Füße bekommt).
Danach teilen wir die Gruppe auf, weil ich immer noch nicht gut klettern kann, und der Leader beschließt, dass ich den Spalt (die “Jacobs Ladder”) hochsteigen soll, dessen oberes Ende das bereits erwähnte Loch ist, denn dieser Weg geht angeblich schneller und ist einfacher. Es entpuppt sich als möglich, sobald man akzeptiert, dass man diesen Spalt überhaupt hochsteigen kann. Und es ward Licht.
Zu diesem Zeitpunkt weiß ich auch noch nicht, dass ich die darauffolgenden drei Tage lang nicht in der Lage sein werde, Treppen so zu nutzen, wie sie gedacht sind. Ich Glückliche.
By Alex, on October 9th, 2010
Wir standen auf, duschten nicht (in wenigen Stunden würden wir ohnehin allesamt nach Höhle riechen) und begaben uns um punkt neun Uhr in den Gemeinschaftsraum, wo der Vorstand der Caving Soc ein englisches Frühstück für uns vorbereitet hatte – mit Baked Beans, Bacon, Rührei, Würstchen, gebratenem Brot (“French Toast”) und Pilzen und, natürlich, Tee. Mir misslingt es dabei mal wieder zu verstehen, wieso sämtliche Menschen auf dem Kontinent englisches Essen so sehr verfluchen, während ich umso mehr nachvollziehen kann, warum Vegetarier das tun.
Wir fuhren zu einem Parkplatz in der Nähe der Höhlen, die wir uns vorgenommen hatten, zwängten uns in unsere Anzüge und ließen uns von Becca (der Vorsitzenden) in Gruppen zu jeweils 4-5 Leuten einteilen, von denen jede von einem lokalen Leader übernommen wurde. Meine Gruppe bestand aus drei Caving-erfahrenen Jungs und meiner Wenigkeit, welche bekannterweise nicht gerade über grenzenlose Fitness prahlen kann. Mit einem Wort, welches man in diesem Zusammenhang als ein solches gelten lassen möge: Uff.
Die erste Höhle, die für unsere Gruppe auf dem Programm stand, war Pierre’s Pot. An deren Eingang Ausgang Öffnung angekommen der erste Schock: Es geht beinahe vertikal herunter. Irgendeine andere Gruppe hat eine Strickleiter hängen lassen, welche wir für den Abstieg nutzen. “Hat jemand von euch noch keine Caving-Erfahrung? Okay, dann gehst du direkt hinter mir.” Mit zitternden Knien steige ich die Strickleiter hinab – immerhin kann nichts schiefgehen, ich kann nicht abrutschen sondern muss nur meine Gliedmaßen in der richtigen Reihenfolge nach unten verlagern aber ach herrje das ist höllisch tief und ich kann doch nicht einfach da runter. (Ich wusste in dem Augenblick auch nicht, wie ich mir den Anfang vorgestellt hatte – vermutlich mit etwas weniger senkrechten Abstiegen, etwas mehr Sicherungsseilen und irgendwelchen vorbereitenden Übungen und nicht als “Hier ist das Loch, bitteschön!”. Andererseits: Nun ja, das Loch war ja da – und man kann ziemlich schlecht üben, in eine Höhle zu klettern, ohne in eine Höhle zu klettern.)
Nach gefühlten dreißig Minuten komme ich fünf Meter tiefer an und es geht weiter. Es geht tiefer und tiefer und – ich komme da doch niemals wieder hoch, oder?
Nach einigen Minuten haben sich unsere Augen an das Licht gewöhnt und wir bewegen uns vorwärts. “Caving” wird in der Wikipedia als “Höhlenwandern” übersetzt, aber dieser Begriff ist trügerisch. In den Mendips-Höhlen gibt der innere Schweinehund jedes Mal, wenn man auch nur eine Minute lang einfach so vorwärts laufen kann, einen zufriedenen und ungläubigen Kläffer von sich. Üblichere Fortbewegungsarten sind Kriechen, Klettern, Krabbeln, Hochziehen, sich durch Felsspalten zwängen oder sich an den Wänden entlangdrücken.
Als wir (ungefähr zwei Stunden später) die Höhle wieder verlassen wollen, müssen wir entweder einen Weg nehmen, wo man über ein großes Loch durch eine Felsspalte mit ziemlich weit auseinanderliegenden Wänden klettern muss (Schultern einhaken geht da nicht mehr, man muss die Arme in die eine Wand und die Füße in die andere Wand pressen und im rechten Winkel zur Erdanziehungskraft auf die andere Seite spazieren), was ich in dem Augenblick wirklich als Allerletztes auf der Welt tun will, oder durch unseren Eingang wieder heraus. Am Eingang angekommen, stellen wir fest, dass die Leiter weg ist. Unser Leader lässt mich an einer Lifeline den Eingang hochklettern (d.h. mit Seil um mich herum, welches mich auffängt, falls ich falle), was dank einiger Fingerzeige auf Haltepunkte auch halbwegs funktioniert, und wir sind draußen. Hach, Sonnenlicht! Sauerstoff!
Die zweite Höhle heißt Goatchurch Cave und enthält mehr Kriechpassagen und Hindurchzwängpartien als die erste. In der Tat kann man nicht nur den Abstieg in eine Höhle, sondern auch die Fortbewegung innerhalb selbiger sehr schlecht außerhalb einer Höhle proben. Obwohl das Gestein feucht ist, ist es meist nicht glitschig, denn in solcher Tiefe und ohne Sonneneinstrahlung wachsen keine Algen daran, außer an den schon sehr abgenutzten Stellen des Weges, welche von den Hintern und Knien von Generationen früherer Cavers glattpoliert worden sind. Wenn man auf seinem Weg durch eine tiefe, enge Felsspalte hindurch will, ist es eigentlich egal, wie tief sie sich unter den eigenen Füßen noch erstreckt, denn wenn man sich mit Ellbogen und Knien in die Wände keilt und diese nacheinander verschiebt, bewegt man sich keinen Zentimeter in Richtungen, in die man nicht will. Man kann prima in einer beliebig geneigten Ebene rumhängen, wenn man das zwischen zwei eng aneinander liegenden Felsteilen tut. Das kostet nicht viel Kraft (Haftreibung sei Dank) und ist sicher (man bewegt sich keinen Zentimeter, wenn man nicht will, und somit auch nicht in Richtungen, in die man nicht will, insbesondere nicht nach unten), widerspricht jeglicher Intuition aus dem Alltag und bietet Lösungen zu vielen “Wie zur Hölle soll ich denn DA runter/hoch/entlang?!”-Momenten.
In dieser Höhle hakt es bei mir bei einem der Abstiege in den mittleren Ebenen, als wir die Wahl zwischen einer eher kletterlastigen, da steilen Partie, einem steilen Tunnel, den man (sich an den Wänden abbremsend) entlangrutschen muss, und einer senkrechten Felsspalte haben. (Wie zur Hölle soll ich da runter?!) Wir einigen uns auf Lifeline und den Tunnel. Hätte auch ohne Sicherung funktioniert, aber das merke ich erst, als ich sehe, wie gut man mit Armen und Beinen bremsen kann. Dafür bin ich beim Aufstieg umso dankbarer für die Lifeline.
Immerhin schaffe ich es diesmal ohne Lifeline aus der Höhle selbst heraus, aber es gab ja auch ein Seil zum Festhalten. Sonnenlicht, zum Glück.
Dritte Höhle. Sidcot Swallet. Während wir vor dem Eingang warten, erscheint eine andere Gruppe der NU Cavers nach und nach an der Oberfläche. Ich erfahre von riesigen Spinnen, die in der Höhle leben, und habe somit schon Angst vor der Höhle, bevor ich auch nur hineinschaue.
Der Abwärtsweg sieht nicht vollkommen unmöglich aus, und es geht auf dem Hintern herunter. Wir bahnen uns den Weg zum “Lobster Pot”, einem engen, senkrechten Tunnel, der in einen engen Gang irgendwohin führt, wo es nasser ist. Unser Leader möchte nicht mit hinunter, weil es ihm zu eng ist, und ich möchte nicht mit hinunter, weil es mir für den Tag reicht (hinterher erfahre ich auch, dass sämtliche anderen Gruppen nur zwei Höhlen besucht haben). Mit Hilfe (“Can you push me a little if I ask you to?”) klettere ich auch aus dieser Höhle heraus (und sehe auf dem Rückweg sogar eine Spinne, die irgendwas isst). Ich lasse mich ins Gras fallen. Sonnenlicht, zum dritten Mal, zum dritten Mal Freiheit.
Duschen ist paradiesisch.
Zum Abendessen gibt es knallrote Spaghetti mit einer Bolognesesauce, die bemerkenswert viele Karotten enthält und nichtsdestotrotz sehr gut schmeckt.
Als abends jemand vorschlägt, in den Pub zu gehen, stimmen alle zu – wir Freshers in Unkenntnis der Tatsache, dass dieser sich eine halbe Stunde Fußweg durch eine unbeleuchtete Straße weg befindet. Was kein Problem ist. Durch Dunkelheit zu laufen wird sich nie wieder genauso anfühlen wie früher.
Im Pub probiere ich Ale (und mag es nicht besonders).
Wieder in der Hütte angekommen, spielen wir Beer Pong. (Dafür braucht man zwanzig Pappbecher. Jeweils 10 davon werden zu einem Dreieck an einem der Enden eines längeren Tisches aufgestellt und mit alkoholischen Getränken gefüllt und jedes der beiden Teams probiert, mit einem Tischtennisball in einen der gegnerischen Becher zu treffen, der im Fall eines Treffers durch eines der Gegner geleert werden muss.) Ich lerne, dass ich zwar nicht so toll im Caving, dafür aber gut im Beer Pong bin. Danach gehen wir über zum Box Game (man hebe eine Papp-Box mit den Zähnen vom Boden auf, ohne seine Hände zu benutzen und ohne mit den Händen den Boden zu berühren; im Laufe der Runden wird die Box immer wieder um einige Zentimeter gestutzt). Joe und ich produzieren ein Unentschieden, da es zu dem Zeitpunkt, zu dem die Box nur noch einen Rand von einem halben Zentimeter aufweist, wirklich niemandem mehr gelingt).
By Alex, on October 8th, 2010
Obwohl ich die allerletzte Person auf der Warteliste bin und mir gesagt wurde, es wäre sehr, sehr unwahrscheinlich, noch einen Platz zu bekommen, landete am Freitagmorgen eine E-Mail in meinem Postfach, die verkündete, es sei kurzfristig ein Platz für den Caving-Trip in die Mendips freigeworden. Juhu! Nach dem erfolgreich bestandenen Parcours durch die Universitätsbürokratie ging es am Freitag um 18.30 Uhr am Portland Building los. Was in meinem Fall bedeutete, auf das Abendessen verzichten zu müssen, sofern ich auch am Sonntag noch saubere Socken haben wollte.
Die Reisegruppe war ziemlich bunt durchmischt (mit Biologie und Geographie als verbreitetsten Studienfächern) und bestand aus siebzehn Leuten, davon sieben “Freshers” (inklusive der Eigentlich-nicht-mehr-Freshers-aber-neu-in-der-Caving-Society-Leute).
Nachdem jeder seine Ausrüstung (Wet Socks, Gummistiefel, Fleece-Ganzkörperanzug (“Furry”), Wet Suit, Gürtel, Helm und Kopflampe) zusammengepackt hatte, stiegen wir in den Minibus und kamen zweieinhalb Stunden später in einem 24-Stunden-Supermarkt in Bristol an, wo wir uns mit Cider Sandwiches und Knabberzeug für Freitagabend eindeckten. (Das Getränkeregal war lang, sehr lang, und enthielt vieles, was mir überhaupt nichts sagte, zum Beispiel etliche Sorten Ale und diverse Biere mit ungewöhnlichen, zum Teil auch recht unanständigen Namen.)
Am Ausgang stand ich beim Anblick der Kassenautomaten dann erst mal verwirrt da. Mit Hilfe einer anderen NU-Caverin scannte ich die Barcodes der Gegenstände und erfuhr, dass ich vier Pfund zu zahlen hatte. “Das kann doch nicht fehlerloser funktionieren als gewöhnliche Kassen”, dachte ich und steckte ein Zwei-Pfund-Stück und zwei Ein-Pfund-Stücke in den Automaten, der daraufhin anzeigte, dass ich noch zwei Pfund zu zahlen hätte.
Eine Verkäuferin wurde geholt, deren Chefin wurde geholt und mir wurde beim Herauslösen meines ersten britischen kassenautomateneingekauften Ciders Einkaufs geholfen.
Die Endstation war unsere Caving-Hütte in den Mendips. Die Hütte hat einen Trockenraum, (um nach einem Caving-Tag Furries und Wet Socks zum Trocknen aufzuhängen) und eine Seilwaschanlage. Als ich das Haus betrat, war ich ganz schön baff im Anblick der Schilder (deren Berechtigung, an anderen Orten abwesend zu sein, ich hiermit selbstverständlich keinesfalls anzuzweifeln wage. Es war sogar ein deutsches “Haltet unsere Höhlen sauber!”-Schild dabei!) an den Wänden im Gemeinschaftsraum. Über der Tür zu selbigem befindet sich eine in Stein gemeißelte Fledermaus, welche Wasser auf die Person vor der Tür speit pinkelt, sobald jemand auf den “Press to Exit”-Button neben der Tür drückt. Der Schlafsaal besteht aus einem zweistöckigen Hochbett, dessen Breite den Raum ausfüllt und das mit Matratzen gepflastert ist.
Der restliche Freitagabend enthielt viel Cider und eine gehörige Portion Kreativität, die auf unschuldige Baked-Beans-Dosen und einen ahnungslosen Besen angewandt wurde.
(Nach einigen Fehlversuchen schafften wir es dann auch, eine Choreografie zu rekonstruieren, während der man einen Besen fest in zwei Händen hält und in bestimmter Weise drumherum klettert, um wieder in eine topologisch äquivalente Ausgangsposition zurückzukommen.)
By Alex, on October 6th, 2010
- Die Briten haben die Vorteile des Händewaschens mit warmem Wasser offenbar noch nicht begriffen. Das Waschbecken in meinem Zimmer hat (wie bisher alle, die ich hier gesehen habe) zwei Wasserhähne an zwei verschiedenen Enden des Beckens, wobei an dem Heißwasserhahn extra die Aufschrift “CAUTION, very hot water” prangt. Richtig: Es gibt in diesem Wasserhahn sehr heißes Wasser, und in dem anderen Wasserhahn sehr kaltes Wasser. Was zu der Verallgemeinerung verleitet, welche in einem altbayerischen Dialekt und mit Bierbauch zu äußern ist, während man sich in einem abgenutzten Ledersessel zurücklehnt: Es gibt in diesem Land offenbar keine Möglichkeit, sich an einem Waschbecken mit warmem Wasser die Hände zu waschen.
By Alex, on October 2nd, 2010
Heute fand die Geek-Shoppingtour der Sci Fi and Fantasy Society statt, an der sage und schreibe neunundzwanzig Leute teilnahmen. Abgesehen von etlichen Comic Book Stores und Fancy Dress Stores führte die Tour auch durch den (der Autorin dieses Blogs von innen bereits gut bekannten) Forbidden Planet Store, der Merchandising zu einigen Filmen und Comics anbietet, durch ein paar Gothic-Shops und einen Jonglierladen. Mit dem Ergebnis, dass ich nun stolze Besitzerin einer durch Magnetkraft schwebenden und sich drehenden Tisch-TARDIS bin und einiger nicht unbedingt sinnvollerer Gegenstände bin. Juhu!
Die Tour endete im Pit and Pendulum, einem im Dungeon-Stil aufgemachten Pub, in dem es Cocktails gibt, die nach den sieben Todessünden benannt sind und Schnäpse, die ihre Namen den sieben himmlischen Tugenden verdanken, und welche ich leider nicht probieren konnte, weil ich mir anscheinend irgendwo die Freshers’ Flu zugezogen habe. (Eines der Dinge, die ich am Leben auf der Insel ganz große Klasse finde, ist dass man in beinahe jedem verruchten Pub eine Tasse Tee bekommen kann.) – Muss ich dem Pit eben wohl oder übel einen weiteren Besuch abstatten. Eine schöne Eigenheit des Pubs sind die Toiletten, der Eingang zu denen sich als Geheimtür in einer Bücherregal-Atrappe befindet und die nach oben hin eng zulaufende, kirchenfensterförmige Spiegel, Holztüren in ähnlicher Form und ein burgkellerartiges Mauerwerk enthalten. Zudem befindet sich neben dem Handtrockengerät ein Lautsprecher, der, nachdem das Gerät wieder ausgeht, mit Grabesstimme spricht, woraufhin sich an der Decke ein Lufterfrischer einschaltet und eine Prise parfümierte Duftflüssigkeit in den Raum sprüht. Die Verfasserin dieses Eintrags hat einige schockerfüllte Sekunden gebraucht, um zu verstehen, dass es sich um Duftflüssigkeit handelt.
Ansonsten meldet meine Internetverbindung noch immer eine Datenpaketverlustrate von 64%, sodass ich morgen (sofern meine Körpertemperatur diesbezüglich nicht anderer Meinung ist als ich) in den Computerraum der George Green Library, der laut Hörensagen rund um die Uhr mit dem Studentenausweis zugänglich ist, marschieren muss, um zum ersten Mal seit drei Tagen meine Mails abzurufen und dieses Textwerk in die Weiten des weltweiten Netzes zu befördern.
Für heute abend lautet der langweilige Plan aber: Schlafen, soviel es geht. Ich habe eben sogar meinen Nachbarn überredet, seine Technomusik auszumachen. Dieser hat mir im Gegenzug Vitamin C und Kräuterpastillen mitgebracht und gute Besserung gewünscht, sodass eine winzige Chance besteht, dafür nicht in der Studentenwohnheimsnachbarhölle zu schmoren. Und diese Stille nicht auszukosten wäre definitiv die achtte Sünde des heutigen Tages!
By Alex, on October 1st, 2010
Heute habe ich zum ersten Mal Sandwiches der Sorte Lamb and Mint Mayonaise gegessen, einfach, weil man Pfefferminzsauce mal probiert haben muss. Bisher kam ich mit der britischen Küche erstaunlich gut zurecht (Baked Beans, Bacon and Eggs, Yorkshire Pudding und Ähnliches finde ich, um ehrlich zu sein, tatsächlich einfach lecker), was zu der überraschten Feststellung “ich mag britisches Essen” führte, die ich hiermit dringend widerrufen muss. Sandwiches mit Lamm, Salat und Pfefferminzsauce schmecken nun mal unverkennbar nach Sandwiches mit Lamm, Salat und Zahnpasta.
By Alex, on October 1st, 2010
Dieser Text steht schon seit über einer Woche an der Schranke zur Existenz, doch wie viele gute Ideen (ob die Betonung hierbei auf gute oder Ideen fällt, bleibt dem Leser überlassen) entsteht er an einem Freitagabend um 2:40 nachts (einem Zeitpunkt, an dem im Zimmer der Verfasserin fürgewöhnlich nicht viel anderes entsteht, da der Nachbar unglaublich gern Technomusik hört, in Lautstärken und zu Tageszeiten, die einander ob ihrer Ungemütlichkeit Konkurrenz bereiten).
Mein Algebraische Geometrie-Übungsblatt liegt, mit einigen durchgestrichenen Zeilen und Kritzeleien, die vielsagende Titel wie “general idea” tragen, versehen auf dem Tisch, das Internet in unserer Hall of Residence meldet eine Datenpaketverlustrate von über 50% und wehrt sich beständig gegen sämtliche Aufrufversuche einschlägiger Online-Nachschlagewerke und somit bleibt mir nicht viel anderes übrig, als mit der Schilderung meines Lebens auf der Insel zu beginnen – in traditionellem Denglisch und chronologisch ungeordnet, versteht sich, dann kann sich immerhin niemand beschweren, den Überblick verloren zu haben.
Die Anfahrt gestaltete sich weitgehend ohne größere Probleme… als den Gepäcktransport. Am Schwierigsten daran, mit riesigem Koffer und Trekkingrucksack zu verreisen, war es, den Koffer im Eurostar in der Gepäckablage unterzubekommen.
Der Eurostar an und für sich bietet ein recht surreales Fahrerlebnis. Selbst wenn man von der Tatsache, dass man in einen Zug steigt und mal eben unter dem Meeresboden durchfährt, bloß, um nach England zu gelangen, beginnt das Abenteuer schon beim Einchecken. Es ist mit einer Eincheckzeit von mindestens 30 Minuten zu rechnen. Das in Kombination mit der Gepäck-Röntgenanlage, den Größen- und Anzahlbeschränkungen für Koffer, der Tatsache, dass man keine Messer mit an Bord nehmen darf und dem Boarding-Ritual deuten darauf hin, dass der Eurostar ein Zug ist, der sich einbildet, ein Flugzeug zu sein. Als ich in den Zug stieg, hätte es mich nicht mehr besonders gewundert, wenn der Wagen plötzlich abgehoben hätte und ich eine Druckänderung in den Ohren gespürt hätte.
Ein paar Minuten später fuhr der Zug los und ich spürte eine Druckänderung in den Ohren.
Der Campus der Universität Nottingham ist wunderschön. Es gibt zwei Seen (von denen einer den kreativen Namen “The Lake” trägt) und ein imposantes Hauptgebäude, in dessen Genuss sämtliche Studenten kommen, denn abgesehen von wenigen Seminarräumen sind dort ausschließlich die (riesige!) Studierendenvertretung (“Students Union”) inklusive des von ihr betriebenen Shops, etliche Speisemöglichkeiten, ein Friseur, zwei Banken und vieles mehr vertreten. Das “Mathematics and Physics Building” ist, wie gehabt, ein bemerkenswert unbemerkenswertes Betonbauwerk, doch dies ist erstens nicht neu und wird zweitens gerade durch den Bau eines neuen Mathematikgebäudes, das mehrere Millionen kostet und im Herbst 2011 (pünktlich zu dem Semester, ab dem ich nicht mehr hier bin) fertig wird, wiedergutgemacht.
In akademischer Hinsicht ist es für mich prima. Hierbei muss ich dazusagen, dass drei von den vier Vorlesungen, die ich hören will, eigentlich für das Masterstudium gedacht sind (die da wären: Algebraic Geometry, Differential Geometry und Quadratic Forms and Central Simple Algebras, letztere davon nur so zum Spaß und zu dem Preis, im 7. Semester in München Statistische Physik und Computergestützte Mathematik und Numerik belegen zu müssen) und abstrakte Mathematik im Allgemeinen und Algebra im Besonderen hier nicht allzu beliebt zu sein scheint: In besagten drei Vorlesungen beträgt die Hörerzahl bisher maximal 6 Leute, in algebraischer Geometrie waren wir sogar schon mal bloß zu dritt.
Wie gut ich darin zurecht komme, weiß ich noch nicht – die Vorlesungen sind, wenn man darin sitzt, noch gut verständlich, aber die Übungsblätter sind durchaus eine Herausforderung. (Es könnte sein, dass die Vorlesungen genau das richtige Niveau haben, und Mathematik ab dem Punkt, ab dem man die grundlegenden Definitionen derjenigen Konstruktionen, über die geredet wird, schon kennt und die Vorlesungen daher von Objekten handeln, mit denen man schon mal vage gearbeitet hat, aber Zusammenhänge und Sätze enthalten, die man noch nie gesehen hat, einfach noch mal deutlich mehr Spaß macht, weil die Schwierigkeiten anderer Natur sind. Was die Vorlesungen deutlich verständlicher, die Übungsblätter aber nicht unbedingt leichter werden lässt.) Das Betreuungsverhältnis ist jedenfalls paradiesisch und da man als Ausländer ohnehin einen Haufen dummer Fragen zu stellen gezwungen ist, macht es nichts, einen Teil davon in den Vorlesungen loszuwerden.
Tutorien gibt es in den Graduate-Vorlesungen nicht, aber die meisten Dozenten schieben ab und an eine Besprechung der Aufgaben ein und stellen Lösungen zu dem Rest online, und die Vorlesungen sind dreistündig und beginnen s.t. (und dauern, je nach Enthusiasmus des Dozenten, zwischen 45 und 60 Minuten), sodass man den Großteil der Arbeit selbst verrichtet (“Bitte lest bis zum nächsten Mal folgende Seiten im Skript” – Handouts oder Online-Skripte/Folien gibt es immer!), was den Luxus, aber auch die Notwendigkeit mit sich bringt, sich seinen Zeitplan selber erstellen zu können/müssen. In den Fächern, die ich belege (mit Ausnahme von Quantenmechanik, was noch eine 2nd-year-Vorlesung ist), tragen die Übungsblätter nicht zur Note bei, aber ganz ehrlich: Wenn der Dozent jeden der n<7 Zuhörer vom Sehen kennt, ist es auch irgendwie unangenehm, sie nicht zu machen.
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